12 fevereiro 2015

Frederico Füllgraf, Harald Neuber: Das Brasilien der deutschen Medien


Das Brasilien der deutschen Medien


Ein Gespräch zwischen Frederico Füllgraf und Harald Neuber über Medien in Brasilien, die deutsche Presse über Lateinamerika und die Regierung von Dilma Rousseff
Blicke auf Brasilien: ein glückliches Samba-Land
Blicke auf Brasilien: ein glückliches Samba-Land
QUELLE: INCLUSI.CO
Am heutigen 1. Januar tritt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff eine neue Amtszeit an, nachdem Sie sich in der Stichwahl gegen den Konservativen Aécio Neves durchgesetzt hatte. Amerika21-Redakteur Harald Neuber sprach über die Wahlen, das deutsche Brasilien-Bild und die Medien mit Frederico Füllgraf, Korrespondent der brasilianischen Zeitschrift Jornal GGN. Dort erscheint das folgende Gespräch parallel auf Portugiesisch.

Frederico Füllgraf: Ein provokativer Einstieg: Deutsche lieben Caipirinha, brasilianische Strände und brasilianische Frauen. Sie verstehen es, mit ihren Unternehmen in Brasilien viel Geld zu verdienen. Für das gleiche Land aber hat die Mehrheit der deutschen Medien nur Spott und Hass übrig. Ist das nicht eine schizophrene Spaltung im Brasilien-Bild der Deutschen?
Harald Neuber: Das ist in der Tat provokant zugespitzt. Ich glaube, dass wir nicht von dem einem Brasilien-Bild der Deutschen per se sprechen können. Es gibt in der öffentlichen Meinung mehrere Bilder und Diskurse von und über Brasilien. Zum einen haben wir das klassische Brasilien-Bild, das stark von Tourismus und kulturellen Erfahrungen geprägt ist: die Strände und der Bossa Nova als frühe Form einer globalisierten Musik mit autochthonen Wurzeln. Auf der anderen Seite gibt es den Blick auf das aufstrebende, moderne Brasilien als Teil der BRICS-Staatengruppe. Ein Land, das eigene Entwicklungsinteressen vertritt, die in zunehmenden Widerspruch mit den Interessen der G7 stehen. Dieses moderne Brasilien wird tatsächlich kritisch kommentiert.
Dieses Phänomen der überlappenden Diskurse, der unterschiedlichen Medienrealitäten sehen wir übrigens auch im Fall von Kuba. Man kann das als schizophren betrachten: Auf der einen Seite reisen jährlich tausende Menschen nach Kuba und auch Brasilien und erleben funktionierende Staaten. Auf der anderen Seite kehren die dann zurück und lesen, dass diese Länder kurz vor dem Kollaps stehen. Sie haben die Realität erfahren und werden zu Hause mit einer konstruierten Medienrealität konfrontiert. Gegenfrage: Was kann ein Land wie Brasilien tun, um Mediendiskurse zu beeinflussen und ist der Regierung in Brasilien das Problem überhaupt bewusst?
Frederico Füllgraf: Das Problem ist der Regierung nicht nur chronisch bewusst, sie ist gerade mal wieder Opfer eines medialen Attentats geworden. Am vergangenen 25. Oktober, ein Tag vor der Stichwahl zwischen Dilma Rousseff und Aécio Neves, ging die Wochenzeitschrift "Veja" mit einer Collage an die Öffentlichkeit. Zu sehen waren finstere Fotos von Rousseff und Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva neben dem Titel "Sie wussten alles" – sollte meinen, sie wussten und vertuschten den Korruptionsskandal in der halbstaatlichen Erdölgesellschaft Petrobras. 
"Veja" berief sich dabei auf eine angebliche Aussage des in Haft befindlichen Devisenschmugglers und Kronzeugen Alberto Yousseff, der 2004 mit einem zwölf Milliarden US-Dollar-Coup den Zusammenbruch der staatlichen Landesbank Banestado in Paraná herbeiführte. Die Aussage aber wurde wenige Tage später wieder von seinem Anwalt dementiert. Es gibt keinen einzigen Hinweis, geschweige denn Beweise, dass Lula und noch weniger Dilma Rousseff die Korruption in der Petrobras gefördert oder gedeckt hätten. Das räumte die Zeitschrift auch selbst in ihrem Text ein, griff aber eine – ich wiederhole: vom Anwalt des Kronzeugen dementierte – Anschuldigung aus der Luft und erhob sie zur Titelgeschichte.
Die Vorverlegung des Erscheinungsdatums von "Veja" um zwei Tage (die Zeitschrift erscheint seit 40 Jahren nur an Montagen) verfolgte das eindeutige Ziel, die Wahl zugunsten Aécio Neves’ zu beeinflussen und stellt nach einhelliger Meinung eine Attacke nicht nur gegen Rousseff und die Arbeiterpartei (PT) dar, sondern auch gegen die Verfassung und den Rechtsstaat. Dilma Rousseff verlangte innerhalb von 24 Stunden eine gerichtlich erwirkte Gegendarstellung in der Zeitschrift selbst und verklagte die Verlagsgruppe "Abril", Herausgeberin von "Veja", wegen übler Verleumdung. Sieben weitere Ermittlungsverfahren gegen "Veja" wurden von Lula, der PT und der Regierung eingeleitet. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren. 
Der "Veja"- und nicht der Petrobras-Skandal kann wohl als die kriminellste aller Handlungen der brasilianischen Medien gegen den Rechtsstaat in den vergangenen vier Jahrzehnten bewertet werden, und hat für die Handlanger des Umsturzversuchs gravierende Folgen.
Die erste Konsequenz ist der Aufschrei der Öffentlichkeit mit der Forderung nach der "Lei de Mídias", also einer – im übrigen in Deutschland seit über 50 Jahren bestehenden – Gesetzregelung zur Bekämpfung der Presse- und Medienkonzentration, folglich der Demokratisierung der Medienlandschaft. Ich habe ausführlich in meinem Essay "Großgrundbesitzer im Äther" das brasilianische Medienszenario dargestellt. 
Die Medienlandschaft im 210 Millionen Einwohner großen und vielfältigen Brasilien wird von sieben, maximal zehn Familienunternehmen monopolisiert, nicht nur in der Menge, sondern vor allem durch Überkreuz-Besitz von Tageszeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen und Internet-Angeboten. Die Einstellung dieser Medien ist zu 90 Prozent regierungsfeindlich und sie betreiben seit der ersten Amtszeit Lulas (2003-2007) eine systematische "Demontage" der – weltweit als erfolgreich anerkannten – PT-Regierungen. 
Geradezu grotesk und perfide ist die Tatsache, dass gerade diese zehn Familienkonzerne 70 Prozent der Werbemittel der Regierung – zumeist Anzeigen und Bekanntmachungen von Sozialprogrammen – auf sich vereinen, während 2.990 Einzelmedien sich mit den restlichen 30 Prozent von insgesamt 161 Millionen Reais, also etwa 60 Millionen Euro, begnügen mussten. Das ist aber nur eine Fußnote zum eigentlichen Geschäft mit Werbeaufträgen der Regierung, denn die Werbeausgaben der staatlichen Konzerne belaufen sich auf umgerechnet etwa 700 Millionen Euro pro Jahr. Das heißt, die Medienmonopole, allen voran die Globo-Gruppe, bereichern sich an den Staatsausgaben, schießen aber hinterrücks auf ihre Geldgeber. Die Regierung finanziert ihre schlimmsten Feinde!
Nun aber zurück zur deutschen Berichterstattung über Brasilien. Das Jahrzehnt 2003-2013 war im Durchschnitt von einer sympathischen, brasilienfreundlichen Berichterstattung in den deutschen Medien geprägt. Diese Tendenz aber vollzog eine radikale Wendung hin zu einer zunehmend einseitigen, Dilma und PT-feindlichen Berichterstattung. Wie ist das gegenwärtige Brasilien-Bild in Deutschland?
Harald Neuber: Das ist eine interessante Beobachtung, das war mir so nicht präsent. Wie gesagt, in dem Maße, wie Interessen in den Industriestaaten beeinflusst werden, verändern sich die Diskurse und die Berichterstattung. Das sehen wir ja vor allem im lateinamerikanischen Kontext. Venezuela ist unter dem extrovertierten und angriffslustigen Präsidenten Hugo Chávez geradezu ein Hassobjekt westlicher Medien geworden. Das heißt nicht, dass man an der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nichts kritisieren darf. Kaum ein westlicher Journalist hat sich aber die Mühe gemacht, hinter die Kulissen zu schauen, Medienrealitäten zu hinterfragen und selbst vor Ort zu recherchieren.

Frederico Füllgraf
QUELLE: PRIVAT
Eine Ausnahme war mein leider zu früh verstorbener Kollege Manfred Bleskin vom Nachrichtensender n-tv, der übrigens hervorragend Portugiesisch sprach und morgens oft portugiesisches Radio hörte. Manfred war vor einigen Jahren nach Bolivien gereist, kam zurück und sagte: "Mein Bild dieses Landes und des Prozesses hat sich völlig verändert." Ein solches Hinterfragen sehe ich heute in den Medien kaum noch. Daher können politische und wirtschaftliche Interessen in der Berichterstattung über Brasilien einen solchen Niederschlag finden.
Frederico Füllgraf: "Der Spiegel" war Anführer einer wütenden und verlogenen Pressekampagne gegen die Fußball-WM in Brasilien ("Tod und Spiele", 12.06.2014), der das totale Fiasko vorausgesagt wurde. Der Ablauf der WM, die unverkennbare Publikumssympathie für Brasilien und seine Menschen lehrte den "Spiegel" und sämtliche übrigen Kritiker eines Besseren: Das WM-Fiasko fand allein für die Medien statt. Was für Interessen gaben nach Ihrer Meinung dem "Spiegel" Antrieb zu derartig miesem Journalismus?
Harald Neuber: Ich kann nicht für ein Medium antworten, für das ich nicht arbeite. Ich denke aber, dass man ein Großevent wie die Fußball-WM durchaus hinterfragen kann. Vor allem die Rolle der FIFA. Man kann und muss schon die Frage stellen, wem eine solche Veranstaltung zugute kommt. Die Frage ist, mit welchem Ziel eine kritische Berichterstattung verfolgt wird. Während der WM hatte ich teilweise den Eindruck, dass westliche Korrespondenten über lange Zeit hinweg geradezu auf der Suche nach Belegen für ein Scheitern waren. 
Ein BBC-Korrespondent widmete eine ganze Reportage einer wackeligen Treppe vor dem Maracanã-Stadion. Und noch mal: Ich sage nicht, dass das kein Thema ist. Aber diese Problem-Berichterstattung überwog über lange Strecken hinweg, während die meiner Meinung nach legitime Kritik sozialer Organisationen an der FIFA und dem Fußball-Business kaum eine Rolle spielte. Aber stand die brasilianische Regierung mit der Ausrichtung der FIFA-WM nicht auch zwischen allen Stühlen? Der umstrittene Fußball-Verband geht mit Milliardengewinnen nach Hause. Was bleibt aber für die Armen in Brasilien? Hätte dieses Thema von der PT-Regierung nicht viel offensiver angegangen werden müssen?
Frederico Füllgraf: Die brasilianische Regierung stand mit der Ausrichtung der FIFA-WM gewiss zwischen einigen, nicht aber zwischen "allen" Stühlen. Ich habe von Ihnen auch keine ausschließliche Verurteilung des "Spiegels" erwartet, sondern Inhalte des deutschen Magazins angesprochen, die sehr wohl unter jedem Niveau waren, nämlich in der berechtigten Kritik an der WM gleich eine arrogant herab blickende Generalabrechnung mit angeblichem Wirtschafts-Versagen und "brasilianischer Inkompetenz" servierte. 
Aber ich verstehe Ihren Einwand. Zurück zur Fußball-WM: Diese war ja von Lula nach Brasilien geholt worden, ebenso die 2016 in Brasilien auszutragende Sommer-Olympiade. Es gib mehrfachen Konsens darüber, dass diese Initiativen Lulas der politischen Imagepflege Brasiliens sehr zugute gekommen sind, also außenpolitisch gesehen von hochgradigem Wert waren und im Grunde den brasilianischen Anspruch auf einen permanenten Sitz im Weltsicherheitsrat ein für allemal untermauern konnten. 
Die Entscheidung für Brasilien als Austragungsort für WM und Olympische Spiele war sozusagen die außenpolitische Krönung des Wachstumsbooms von sieben Prozent, der die Erteilung der Ehrenurkunde des Wirtschaftsforums von Davos an Lula und seiner Ernennung zum "Mann des Jahres", von der Times über El País bis Forbes vorausgegangen waren. Dieses Szenario war 2013 unter Dilma Rousseff längst Vergangenheit, die Euphorie war verblasst. Ihr Amtsantritt 2011 fiel zusammen mit der weltweiten Rezession als Folge des Banken-Crashs von 2008. Mit stolzem 300 Milliarden US-Dollar Devisenüberschuss und steigender inländischer Verbrauchernachfrage als Folge der weit über der Inflation von anfänglich fünf Prozent erhöhten Mindestlöhne setzte die Präsidentin auf Vollbeschäftigung, Beibehaltung der Sozialprogramme zur Armutsbekämpfung und Aufbau der landesweiten Infrastruktur, wozu auch der Großteil der WM-Bauten gehörte.
Die innerbrasilianische Argumentation einiger NGOs, die dann von den Medien kolportiert wurde, dass Brasilien mehr für die FIFA-WM als für Sozialprogramme ausgegeben habe, ist Nonsens. Die Kritiker verkennen zum Beispiel dass Brasilien jährlich 5,7 Prozent des BIP allein für die Bedienung des Schuldendienstes ausgibt – mehr als die 5,3 Prozent für das Erziehungswesen. In Zahlen ausgedrückt entspricht ein Prozent des BIP 44,0 Milliarden Reais, also rund 14 Milliarden Euro. Doch 5,7 Prozent sind schwindelerregende 83,6 Milliarden Euro im Jahr zur Zahlung von Zinsen. Doch darüber sprach und spricht kein "seriöses Medium". Dass nun die Profite der WM vor allem von der FIFA und den brasilianischen Baulöwen kassiert wurde, das ist meine eigene Hauptkritik an dem ganzen Spektakel. 
Doch das war der Preis, den die Regierung zu zahlen bereit war. Die Proteste vom Juni 2013 erreichten die Straßen als die Inflationsrate bereits sechs Prozent erreichte und die Menschen allgemein mehr Mitspracherecht abverlangten – eine berechtigte Bewegung, die sehr rasch von Rechtsextremisten mit ihrem Ruf nach "Fora PT" (Raus mit der PT) unterwandert wurde, die jetzt nun, nach dem Wahlverlust der Konservativen, frech und aggressiv die Rückkehr der Militärs fordern. 
Doch nun wieder zurück zur Arbeitsweise der deutschen Medien.
In den 1970ern, bis hinein in die 1990er Jahre arbeitete in Südamerika (B. Aires, Rio, São Paulo) eine Gruppe seriöser, sehr kritischer deutscher Korrespondenten. Ich nenne aus der Erinnerung u.a den fast legendären Romeo Rey (Frankfurter Rundschau), Carlos Widman (Süddeutsche), Klaus Eckstein (ZDF), Peter Laudan (WDR Radio, B. Aires). Sie schärften den Blick für die Menschenrechtsverletzungen der Diktatur und scheuten keine Kritik an den Machenschaften deutscher Konzerne in Südamerika. Drei Fragen: Was schreiben die heutigen Korrespondenten der gleichen Medien? Worauf ist heute das Augenmerk dieser Medien gerichtet? Wie geht es zu in den Redaktionen, woher beziehen die Lateinamerika- oder Brasilien-Fachleute ihre Informationen?
Harald Neuber: Wenn ich Vorträge über die Lateinamerika-Berichterstattung deutscher Medien halte, sage ich oft: "Schauen Sie sich einmal die Internetseite der Tagesschau an. Dort können Sie aus dem Archiv die Sendungen von vor 20 Jahren sehen. Damals haben Korrespondenten in den kleinsten mittelamerikanischen Ländern von vor Ort berichtet." Heute wird von Mexiko-Stadt, Buenos Aires oder aus Rio de Janeiro über den ganzen Kontinent berichtet. Ich möchte damit nicht sagen, dass die Kolleginnen und Kollegen einen schlechten Job machen. 
Aber natürlich hat die Rationalisierung die Qualität der Berichterstattung verschlechtert. Statt vor Ort zu recherchieren wird oft die nationale Presse in den entsprechenden Ländern ausgewertet. Das ist aber tückisch. Denn nicht nur in Brasilien wenden sich Medienkonzerne gegen die neue Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung. In Venezuela, Bolivien oder Ecuador nehmen die Medienkonzerne mehrheitlich nicht nur eine regierungskritische, sondern eine regierungsfeindliche Haltung ein, weil sie mit anderen Wirtschaftszweigen verknüpft sind und die wirtschaftlichen Interessen dieser Konglomerate betroffen sind. In Venezuela haben Medien 2002 einen Putsch mitgetragen, aus privaten Medien ist eine Partei entstanden.

Harald Neuber
QUELLE: PRIVAT
Wie sieht das in Brasilien aus? Wird die Regierung von Dilma Rousseff im Falle eines Wahlsieges das Thema der Medienkonzerne in Angriff nehmen? Wird es neue Mediengesetze geben wie unter anderem in Venezuela und Argentinien?
Frederico Füllgraf: Dilma Rousseff hat die Wahlen mit 3,3 Prozent, also knapp 3,5 Millionen Stimmen gewonnen. Wie ich oben bereits skizziert habe, ist eine demokratische Medienregulierung nun Programm der zweiten Amtszeit Rousseffs. Franklin Martins – Minister für Kommunikation unter Lula – ist Urheber des ersten Entwurfs einer "Lei de Mídias" und der Forderung nach einem Bundesrat für Journalismus (ähnlich dem Deutschen Presserat für die sogenannte Selbstkontrolle). Doch die Verleumdungskampagne der zehn Familien und des Interamerikanischen Presse-Vereins der Verleger mit Sitz in Miami/USA (SIP) – die die PT der Einführung der "Pressezensur, Meinungsdiktatur und Untergrabung der freien Marktwirtschaft" bezichtigten – war derart heftig, dass der Entwurf zurück gezogen werden musste.
Dilma Rousseff äußerte sich 2011 zunächst gegen die Initiative ihres Vorgängers. Doch jetzt hat sie die Dringlichkeit erkannt und wird sehr bald ihren Regulierungsantrag im Parlament einreichen. Ich vermute, 2015 wird im Licht einer neu entfachten und scharfen Debatte über das anstehende Mediengesetz stehen, wofür übrigens seit 2013 hunderte von Bürgerinitiativen und Regionalmedien, wie das "Projeto de Lei de Iniciativa Popular para a democratização das comunicações no Brasil" mobil machen.
Mich interessiert nun, wie Sie die Berichterstattung über die Regierung Dilma Rousseff in den deutschen Hauptmedien beurteilen. Zu Beginn ihrer Amtszeit wurde sie als "ehrenhafte Ex-Guerillera" beschrieben, die ihr Leben im Kampf gegen die Diktatur riskiert habe, heute wird sie als "Versagerin" in der Wirtschaftspolitik karikiert. Moniert wird, dass Brasilien 2014 ein schwaches Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent erreiche, als ob es die marode EU und die Schrumpfung des deutschen Wachstums (von 1,8 Prozent auf 1,3 Prozent bzw. 0,8 Prozent) nicht gäbe. Ist das noch seriöser Journalismus? 
Harald Neuber: Sehen Sie, eben das meine ich mit dem notwendigen Blick hinter die Kulissen. Natürlich kann und sollte man als deutscher Journalist die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens beleuchten. Die Akzentuierung auf den Einbruch des Wachstums aber wirkt inmitten der Wirtschaftskrise der EU schon skurril. Dahinter steht meiner Meinung nach auch eine gezielte Beeinflussung der Berichterstattung durch Meinungsmacher. Ich gebe Ihnen dafür zwei Beispiele.
In Deutschland sind an der Gestaltung des Lateinamerika-Bildes maßgeblich die parteinahen Stiftungen beteiligt. Sie verfügen – anders als viele Medien – über enge Netzwerke in den Ländern des Südens. Dadurch können sie Experten für Interviews zur Verfügung stellen. Dabei gerät aber aus dem Blick, dass ein Vertreter etwa der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in der eigenen Analyse natürlich eine ganz spezifische, politisch geleitete Meinung vertritt. Besonders deutlich wurde das im Fall der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, die den Putsch im mittelamerikanischen Honduras 2009 gutgeheißen hat. Das Problem zumindest haben die deutschen Wähler inzwischen gelöst: Die liberale FDP ist von der politischen Bildfläche fast vollständig verschwunden.
Neben den Parteistiftungen gibt es in Deutschland eine Reihe von staatsfinanzierten Forschungseinrichtungen wie die Stiftung Wissenschaft und Politik oder das GIGA-Institut in Hamburg. Mitarbeiter dieser Institutionen stehen ganz oben auf den Interviewlisten hiesiger Medien. Sie alle werden aber teilweise oder vollständig von der Regierung bezahlt. Wie objektiv kann da die Analyse sein?
Frederico Füllgraf: Wie beurteilen Sie selbst die Regierung Rousseff und das PT-Programm im lateinamerikanischen Kontext? 
Harald Neuber: Das gesellschaftliche Projekt der PT ist ein integraler Bestandteil der linken Reformbewegungen in Lateinamerika. Zugleich spielt Brasilien unter den BRICS-Staaten eine wichtige Rolle. Ich denke aber auch, dass die PT – wie die parteipolitische Linke weltweit – über das bürgerlich-parlamentarische System hinaus denken und handeln muss. Auch nach Gesprächen mit Kollegen in Brasilien sehe ich da Defizite unter Dilma Rousseff. Das ist ja sicher auch ein Grund, weshalb die Stichwahl in diesem Jahr so knapp ausfiel. 20 Prozent Wahlenthaltung und knapp sechs Prozent leere Stimmzettel – weist das nicht auf eine erhebliche Enttäuschung hin?
Frederico Füllgraf: Allerdings, mit rund 30 Millionen absenten Wählern war die Wahlenthaltung (20,1 Prozent) relativ hoch. Dazu kommen aber noch die entwerteten Stimmzettel, die 4,63 Prozent, also 5,2 Millionen Protestwähler zählten. Das sind aber nur zum Teil Reaktionen nicht nur gegen die Rousseff-Regierung, sondern auch gegen das absurde Parteien-Spektrum, das mittlerweile 26 Parteien umfasst. Hier mischte sich der Verdruss gegen Regierung und Parteien allgemein mit dem Protest gegen die Wahlpflicht, denn jede Enthaltung muss schriftlich begründet werden. Aber was soll man zum Beispiel im Vergleich zur Wahlenthaltung in Chile sagen? Die erreichte 2013 bei der Wiederwahl Michelle Bachelets 45 Prozent! Ich sehe dieses Verhalten als Ausdruck einer weltweit grassierenden Entpolitisierung der Menschen. Ein wachsendes Desinteresse an Politik allgemein greift um sich, weil die repräsentative, liberal-konservative westliche Demokratie unfähig ist für Innovation, vor allem beim Angebot von Partizipation. 
Die Menschen haben das Gerede der "Profis" satt. Deshalb hat Rousseff jetzt die "Conselhos Populares Consultivos" (Gemeinderäte in beratender Funktion) als Komplementärinstanz zum Parlamentarismus ins Gespräch gebracht. Ihr Antrag zur gesetzlichen Anerkennung der Räte wurde in der ersten November-Woche bereits vom Abgeordnetenhaus in Brasilia mit der Begründung abgeschmettert, die Räte bedeuten eine – Zitat! – "Sowjetisierung" und steuern auf – Zitat! – "venezolanische Zustände" hin. Wirtschaftspolitisch blickt Brasilien wohl einer eher positiv zu beurteilenden nahen Zukunft entgegen, innenpolitisch steuert das Land jedoch auf eine Zerreißprobe der Demokratie entgegen. Die Konservativen wetzen ihre Messer, sie wetten auf Konfrontation.
Erzähle uns nun abschließend ein wenig über die Arbeit und Resonanz von amerika21 in Deutschland.
Harald Neuber: Das Lateinamerika-Nachrichtenportal amerika21 ist im Sommer 2007 entstanden und wird vom gemeinnützigen Verein Mondial21 e.V. getragen. Mit amerika21 haben wir ein Novum in der deutschsprachigen Presselandschaft geschaffen. Das Portal soll dazu beitragen, den kommunikativen Austausch zwischen globalem Süden und Norden zu erleichtern, indem es die Informationskluft zu überwinden versucht. Deshalb werden im Internet Informationen aus Lateinamerika auf Deutsch und in professioneller Aufbereitung zur Verfügung gestellt – offen zugänglich und kostenlos.
Amerika21 ist dabei zu einer professionellen Online-Redaktion herangewachsen, die täglich mehrere Stunden Arbeitszeit in Anspruch nimmt und quer durch alle politischen Lager wahrgenommen wird. Amerika21 hat sich auch als ein Referenzmedium in der deutschsprachigen Lateinamerikaberichterstattung etabliert. Dies ist das Ergebnis des derzeit ausschließlich ehrenamtlichen Engagements unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sei es in der Redaktion, beim Recherchieren und Verfassen von Artikeln oder beim Übersetzen. Zunächst entstand amerika21 als Nachrichtenblog mit einigen Beiträgen pro Woche. Zu unserem vierten Geburtstag im Juli 2011 erscheinen zwischen drei und fünf Artikel täglich. Inzwischen greifen laut Piwik täglich über 1.800 Leserinnen und Leser auf die Seite zu und die Zahl steigt kontinuierlich.

19 janeiro 2015

Frederico Füllgraf - Isabelle Eberhardt, a vagabunda europeia convertida ao Islã (Parte 2)

 

Ensaio


A vagabunda reinventada

Essa vagabundagem começara após a morte da mãe, Nathalie. Quando mãe e filha se dirigiam a Bône, norte de Argélia, em maio de 1897, abrira-se uma nova e dramática etapa na vida de Isabelle. 

Compartilhando uma casa modesta do bairro árabe, ela e a mãe convertem-se ao Islã. Seis meses depois de instaladas, sua mãe também morre fulminada por um ataque cardíaco, em seguida se suicida seu meio-irmão, Wladimir. 

Suas tendências depressivas impelem-na à fuga, para longe dali, pois alguém dissera que “viver não é necessário, mas partir é preciso". Para Isabelle, muito pelo contrário, partir é viver.

Por um estranho efeito de retorno, ali, onde a mirada só pode pendurar-se em nada mais que no horizonte, a viagem se faz interior: "El Ued [curso de água no deserto] me alcançou como revelação de beleza visual e de profundo mistério, o apossamento de meu ser errante e inquieto por um aspecto da terra que não havia suspeitado", escreve ela. 

Nesse oásis, em agosto de 1900, encontrará o homem de sua vida, Slimane Ehnni, e receberá o rosário dos iniciados pela Qadriya. Com natureza predisposta, aprende as técnicas sufis do êxtase místico e chamar-se-á Si Mahmoud Saadi; pseudônimo que sobressairá sobre os demais e que recorda o poeta viajante de Shiráz, na Pérsia, quem, segundo Isabelle, no séc. XIII enaltecia no amor "a renúncia e a arte de domar-se a si mesmo".

A descrição de sua conversão ao Sufismo é muito lacônica em seu seus textos, referida apenas numa carta enviada à Dépêche Algérienne, de 6 de julho de 1901. 

Na verdade, frequentara três zaouïas – conventos súfis – diferentes em El Oued, e os menciona perante um juizado para contextualizar a tentativa de assassinato perpetrado contra ela por um seguidor fanático da zaouïa rival de Tidjanya. Ela o perdoa, mas o árabe é condenado a pena gravíssima, e ela, expulsa da Argélia. 

Mulher européia, de comportamento impensável para os padrões do mundo árabe, Isabelle impõe-se à sociedade islâmica e à ritualística súfi, pois os homens da Qadriya oferecem-lhe as novas vestimentas, tanto femininas, como masculinas, que terá liberdade de usar do modo que mais lhe apetecer – generosidade incomum, sibila-se, porque muito provavelmente com seu mestre a vinculara algo mais que amizade espiritual, apenas.

George Sand e Mata Hari

Isabelle Eberhardt é um misto do travesti Georges Sand e da glamurizada espiã Mata Hari,  transplantados aos confins do Saara meridional

Incensada por uns, devido às suas audaciosas andanças como mulher européia desacompanhada - no Saara, mas também no coração de sociedades fortemente machistas e excludentes do feminino - por outros, Eberhardt é lembrada como a jovem ocidental escapista, que incorpora a dolorosa experiência, mas também o prazer pervertido dos relacionamentos incestuosos, fincado na personalidade de uma mãe traidora e insegura, atraída por relacionamentos no mínimo exóticos, e fortalecida ainda pelo papel de uma irmã dominadora e de dois meios-irmãos, também de paternidade duvidosa; um deles, incestuosamente vinculado a Isabelle.

Eu não sou mais que autêntica, uma sonhadora que deseja viver longe do mundo, viver a vida livre e nômade, para em seguida tentar expressar o que viu e talvez comunicar a alguns poucos, o frisson melancólico e charmoso que experimentou na contemplação dos tristes esplendores do Saara”, ela escreve na dolorosa tentativa de exorcizar o passado boêmio iniciado em Genebra, quando frequentava círculos anarquistas. 

Em Bône, na Argélia, envolve-se em encontros amorosos ditados por colonos franceses, invasores que costumam receber apenas ”nativas” para seu consumo de ”carne fresca”. 

Agora acaba de retornar de Túnis, de noites turbulentas vividas entre amigos e amantes árabes. 

A promiscuidade cobra seu preço, e por vezes ela intui que a sífilis infectou seu fruto. 

O Islã proíbe o consumo de bebidas alcoólicas aos seguidores de fé, mas Isabelle contrabalança seu alcoolismo com dosagens de profundas convicções religiosas. Por momentos é capaz de experimentar o êxtase, e não raramente gostaria de perder-se na mera contemplação do deserto.

Expulsa da Argélia, à raiz de um processo criminal, mas com evidente intenção política (a Argélia era uma colônia francesa, há mais de oitenta anos invadida e anexada por Napoleão), ela só conseguiá regressar ao deserto graças ao seu casamento com Slimène Ehni, suboficial de dupla nacionalidade. 

Mas o vínculo com o exército francês levanta suspeitas: por acaso suas incursões aos territórios (aqui definidos no mais estrito senso geográfico) interditados aos europeus no Saara, dissimulavam missões de espionagem para o exército francês? 

Alguns argumentos baseiam-se sobretudo na inexistência de qualquer reflexão profunda sobre o Sufismo nos escritos de Eberhardt, especulando tratar-se de uma convertida de fachada. Outro argumento, irrefutável, é a lembrança de sua estreita amizade como o Gen. Hubert Lyautey. 

Publicado em 1994, em seu ensaio ”Colonialism, Transvestism, and the Orientalist Parasite” (”Belated Travellers” - Durham & London, Duke University Press), Ali Behdad reitera a colaboração de Isabelle com o poder colonialista francês no Saara.


Gen. Lyautey
Filha de Rimbaud?

De quem é mesmo filha, Isabelle Eberhardt, cuja vida novelesca já começara como mistério?”.

Sem rodeios, já em 1943  Pierre Arnoult atribuia em sua biografia "Rimbaud" (Éd. Albin Michel) a paternidade de Isabelle ao autor de "Uma estação no inferno”, baseando-se em três indícios algo frágeis para conformar prova documental:

1) as semelhanças das compleições físicas de Isabelle e Rimbaud; 
2) a presença do poeta na região do lago Lemans, em junho de 1876, a cujas margens jaz Genebra, onde naqueles momentos vivia Nathalie de Moerder; 
3) o nome Isabelle Wilhelmine, da recém-nascida, segundo Arnoult inexplicável pelo lado dos Moerder-Trophimowsky, mas vinculável a Rimbaud por intermédio de sua irmã preferida, Isabelle, que também era o nome da rainha da Holanda, em cujo exército Rimbaud acabara de alistar-se.

Contudo, em "Vie d´Isabelle Eberhardt", Francoise d'Eaubonne, além de corroborá-los, agrega a tais indícios um misterioso juramento da cavaleira do deserto, endossado pelo testemunho de várias pessoas: "Morrerei convertida em muçulmana, como meu pai!". 

Aqui, Isabelle jamais poderia estar se referindo ao monge anarco-islâmico, Trophirnowsky, afirma d'Eaubonne, reiterando que não resta remédio que assombrar-se diante do estranho tropismo que o Islã conseguira obrar nos destinos, tanto de Rimbaud, como de Isabelle Eberhardt, porque ambos teriam sido conversos sinceros. Com essa justificativa rebatendo a tese de uma conversão superficial da loira aventureira, travestida de homem.

Apocalipse em Aïn-Sefra

Em 21 de outubro de 1904, internada num hospital da pequena cidade de Aïn-Sefra, para tratar de uma malária que a assaltava periodicamente, têm desenlace trágico as andanças da teuto-russa-suíço muçulmana: uma tempestade que parecia o fim do mundo, rapidamente transforma os baixios do lugarejo em torrente furiosa de barro e escombros. 

Os casebres modestos são varridos do mapa como fossem raminhos de palha. Percebendo o perigo, Isabelle arranca o marido da casa, mas retorna para apanhar um manuscrito e, quando tenta sair pela porta, a casa se derruba sobre ela; seu corpo encontrado somente dias depois. 

Quando faleceu, Isabelle tinha vinte e sete anos.

Com sua morte inicia-se o resgate de sua biografia, e sua reputação é objeto de distorções gritantes, contra as quais logo se insurge o escritor norte-americano, Paul Bowles, um dos re-descobridores de seus textos e autor de "O céu que nos protege". 

Exceção feita a artigos esparsos, publicados em jornais sem destaque, Isabelle não conseguira publicar nada em vida. "Mas a quê referir-se, se grande parte do que ela escreveu, foi recolhido após sua morte [pelo general] Lyautey, e talvez já naquele primeiro momento submetido a censura problemática?" – questiona o jornalista argelino, Beghdadi Boutkhil (”Lyautey et les oeuvres d’Isabelle Eberhardt”, Le Quotidien d'Oran, 20-21/10/2004), advetindo: “Deve tomar-se por obra efetiva ou faltante aquilo que o general enviou para publicação ao senhor Barrucand, redator-chefe doe jornal L´Akhbar? Estes fatos são notórios: em 1906, Barrucand retocou, corrigiu e censurou os manuscritos [de Isabelle] destinados à publicação”.

Referindo-se ao Maghreb, Isabelle Eberhardt disse certa vez: “Eu queria possuir este país, e este país acabou me possuindo”.

A obra póstuma

Eberhardt, Isabelle & Barrucand, Victor: À l'ombre chaude de l'Islam, Arles, Actes Sud, 1996 ;
Pages d'Islam, París, Fasquelle, 1908 ; 
Notes de route, París, Fasquelle, 1908 ;
Mes journaliers, París, La Connaissance, 1923 ; 
Mes journaliers, París, Les Introuvables, 1985;
Isabelle Eberhardt racontée par ses lettres et journaliers, (présentation et commentaires: Aglal Errera) Arles, Actes Sud 1987; 
Écrits sur le sable. Oeuvres complètes. vol. I, París, Grasset, 1988. Oeuvres complètes. vol. II. Edição, notas e apresentação: Marie Odile De la Cour et Jean René Huleu. Prefácio: Edmond Ch. Roux, París, Grasset, 1990. 
Un voyage oriental: "Sud oranais", (De la Cour, M.O.; Huleu, J.R.: Edición) París, LGF, 1991. Crônica. 
Un désir d'Orient et Nomade j'étais, (biografía por Edmonde Charles-Roux) Livre de poche, 1997. 
Écrits intimes: lettres aux trois hommes les plus aimés, (De la Cour, M.O.; Huleu, J.R.: Presentación) París, Payot, 1991. Reed., Payot, 1998. Correspondencia. 
Notes de route "Maroc, Algérie, Tunisie" (Jean Marie Durou), Arles, Actes Sud, 1998. 
Au pays des sables (nouvelles inspirées par un séjour au Sahara en 1902), París, Joëlle Losfeld, 2002. 
Mes journaliers (cartas e diários íntimos), París, Joëlle Losfeld, 2002. 
Isabelle Eberhardt / L'Écriture de sable, Alger, Barzakh, 2002. 
País de arena, (Inmaculada Jiménez) Madrid, del Oriente y del Mediterráneo, 1989. Edición revisada y corregida, del Oriente y del Mediterráneo, 2000.

The oblivion Seekers, 13 peças de Eberhardt traduzidas ao inglês por Paul Bowles, 1972.

16 janeiro 2015

Frederico Füllgraf - Ano Novo - Mensagem aos leitores


Fotografia: F. Füllgraf


Meu sincero agradecimento a todos os leitores - antigos, frequentes e acidentais - por sua fidelidade ao Füllgrafianas ao longo de 2014.

Minhas não menos sinceras desculpas aos que do blog esperavam reação imediata à atualidade política e aos que, mais introspectivos, alimentaram expectativas quanto ao seu aprimoramento cultural.

Aqui registro o compromisso editorial: misto de palco político e artístico-cultural, ao longo de 2015, o blog sofrerá ajustes em sua formatação e conteúdo para melhor atender aos seus leitores em todo o mundo.

"Todo mundo" não é descuido de linguagem, por desleixo ou exagero: monitorado pelo sistema de registro de origem, Füllgrafianas tem leitores em todos os continentes, acompanhado em aproximadamente 25 países e lido, mediante auxílio de (rudimentar) tradução online, em pelo menos 20 idiomas, incluindo o russo, o árabe e o mandarim.

De março de 2010, data de lançamento do blog, a 31 de dezembro de 2014, o ranking dos países mais conectados é:

1 – Brasil
2 – Estados Unidos
3 – Alemanha
4 – Chile
5 – Portugal
6 – Rússia
7 - Argentina
8 – França
9 – Espanha
10 - Ucrânia

A todos os estimados leitores, um Ano Novo abençoado - iluminado, fraterno e justo.

Frederico Füllgraf

Manoel de Andrade - Poetas não morrem


Neste mês de janeiro são lembrados na Nicarágua os 45 anos da morte do poeta e combatente sandinista Leonel Rugama e, no Peru, os 73 anos do nascimento do poeta e guerrilheiro Javier Heraud.

Mortos respectivamente aos 20 e 21 anos, Heraud e Rugama são os exemplos mais precoces, na América Latina, de poetas que caíram em combate, dando a vida por um sonho.

02 janeiro 2015

Frederico Füllgraf - Elogio de la violación de la mujer-"cosa"


En la primera quincena de diciembre de 2014, en el Palacio del Planalto, en Brasilia, la presidenta Dilma Rousseff recibía el informe final de la Comisión Nacional de la Verdad (CNV), constituída en 2012 para investigar los crímenes de violación de derechos humanos (DDHH) cometidos en los calabozos de la dictadura militar, entre 1964 y 1985.

A decir verdad, cuando firmó la ley que creaba dicha comisión, la mayoría de los crímenes y sus autores ya eran conocidos, pero la presidenta – ella misma una ex presa política torturada – tenía que exorcizar la omisión de sus predecesores y convertir las denuncias de los organismos de DDHH en memoria oficial de Estado.

Y mientras leía su discurso se emocionó, porque uno de los tres volúmenes del informe de 4.400 paginas contiene relatos sobre los 434 muertos y desaparecidos. La mandataria intentó retener las lágrimas, pero no pudo. Contagiado, el auditorio completo se alzó de sus sillas, le brindó una salva de aplausos y salió a abrazar a la presidente.

A cincuenta años del golpe cívico-militar del 31 de marzo de 1964, por fin el Estado brasileño aceptaba la catarsis. Pero fue necesaria una ex presa política como mandataria para que ocurriera.

En paralelo, algunas horas después, la ex ministra de DDHH y ahora diputada María do Rosario, del Partido de los Trabajadores (PT), ocupaba la tribuna de la Cámara de Diputados, destacando la transcendencia histórica del informe.

Pronunciaba sus últimas palabras, cuando fue interrumpida desde el centro de la plenaria. El diputado Jair Bolsonaro pedía la palabra. Cuando ocupó la tribuna, María do Rosario abandonó ostensiblemente el recinto, en reiterada señal de protesta, pues ya sumaban más de dos incidentes en los que el “colega” la insultó con palabras de baja calaña y amenaza de agresión física, toleradas por un Congreso omiso e inoperante.

Entonces Bolsonaro disparó su repertorio, un cóctel indigesto del pensamiento gorila y machista: “¿Por que no te quedas, María do Rosario? Quiero que oigas lo que tengo que decir. El día internacional de los derechos humanos es el día del vagabundeo, el día en que el gobierno celebra la protección a los criminales!”.

Con un ataque frontal al pasado de la presidenta, quiso denunciar por enésima vez lo que es público y notorio: que Dilma Rousseff fue guerrillera, que luchó las armas en la mano contra la dictadura, que participó en un asalto a un banco, etc. etc. etc.

Todos actos “criminales”, según la beocia letanía de la ultra-derecha civil y militar, pero desde siempre admirados por el pueblo y explicados por los tribunales internacionales, que hace décadas declararon a las dictaduras como regímenes ilegales y usurpadores.

Pero en la tribuna o donde sea, Bolsonaro no habla como un ser humano normal: el ex capitán del ejército brame, gruñe, ladra y espuma al ritmo de metralleta, mientras su rostro se desfigura con arrugas, ojos hinchados, manías y espasmos.

Bolsonaro sufre de trastorno disocial de la personalidad, el parlamentario es un agresivo sociópata.

¿Pero será posible que el presidente de la Cámara no haya prestado atención a su primera frase? Por suerte, en las dos cámaras del Congreso graban todas sus reuniones, discursos y espectáculos degradantes, y dándole vuelta al video allí está la frase increíble, impronunciable, abominable: “Ud. me ha acusado de violador, y yo le contesté que no la violo porque Ud. no se lo merece!”.

¿Cómo se explica que el presidente de la mesa no le haya quitado la palabra, no le cortase el sonido al micrófono del troglodita abyecto?

El arquetipo del terrorista y golpista

Tenía apenas nueve años cuando sucedió el golpe civil-militar, que lo fascinó en su juventud y lo motivó a engancharse en la Escuela de Preparación de Cadetes del Ejército y la Academia Militar de Agujas Negras, de donde egresó como oficial paracaidista. En 1986, fue arrestado durante quince días por liderar una manifestación no autorizada por la mejoría de los sueldos de la tropa.

No satisfecho, pocos meses después, el paracaidista planeaba una serie de atentados terroristas.

El 28 de octubre 1987, un reportaje de la revista “Veja” denunciaba el plan del entonces capitán de explotar bombas “en distintas unidades de la Villa Militar, la Academia de Agujas Negras, y en varios otros cuarteles”. Detenidos, Bolsonaro y uno de sus cómplices, negaron perentoriamente las imputaciones, pero al ser entrevistado por la revista, el militar cometió un error: había diseñado un croquis de la bomba que sería explotada en la aductora de aguas de Guandu, que abastece Rio de Janeiro.

Se lo mostró a la reportera y olvidó pedírselo de vuelta. Astuta, la periodista escondió el croquis en su cuaderno y la revista entregó la prueba al general Pires Gonçalves, que lo denunció a la Justicia Militar. Empero, contra todas las pruebas, el capitán terrorista – que en su afán de dinamitar cuarteles y la principal aductora de agua de una ciudad con 7 millones de habitantes, incorporó a su cálculo la muerte de decenas de personas – fue absuelto por la Suprema Corte Militar; circunstancia que ilustra la orientación ideológica del tribunal castrense.

Psicópata homófobo y defensor de la tortura

Pocos años después abandonó las fuerzas armadas, porque su insubordinación recurrente le indicaba una carrera sin futuro, y apostó a la política, haciéndose elegir, inicialmente, como concejal del inexpresivo Partido Demócrata-Cristiano por el municipio de Rio de Janeiro.

En siete años, de 1988 a 2005, el ahora diputado federal había logrado la proeza de inscribirse y luego desafiliarse de cinco partidos políticos diferentes, minúsculos y conservadores, utilizándolos como la mayoría de sus colegas como meros trampolines para sus intereses personales.

En el Congreso prosiguió con su campaña por mejores sueldos de la tropa y como vocero de los quistes conservadores del law & order, que defienden la tenencia masiva de armas, la pena de muerte, el fusilamiento de criminales por cuenta propia, ejecutables sin proceso ni defensa, y que oponen virulenta resistencia a los derechos de minorías, sean homosexuales o indígenas.

Con los 450 mil votos que obtuvo en las últimas elecciones, Bolsonaro se siente “intocable”, radicalizando aún más su resistencia a la democratización y la liberalización de las costumbres, ya sea el debate sobre la descriminalización de las drogas livianas, las cuotas raciales en la enseñanza pública, o las leyes que reglamentan la vida en pareja, y sobretodo el reconocimiento legal de parejas homo-afectivas.

Y porque una nueva ley autorizaría la adopción de hijos a los homo-afectivos, el ex militar la difamó como “incentivo a la pedofilia” y otros desastres de la civilización.

Su “receta” para tratar con un homosexual en la familia resume la irracional acepción del sentido común, cargada de prejuicios: “¡Rómpase al cabrón de una paliza, a ver si continúa con mariconadas!”

El año 2011, cuando el Congreso discutía el proyecto de ley que criminaliza a la homofobia, Bolsonaro tomó asiento atrás del diputado Jean Wyllys, un periodista gay asumido, y mientras este hablaba, el ex militar lo insultaba en voz baja: “¡Puto sinvergüenza!”.

El Partido Socialismo y Libertad (PSOL), de Wyllys, demandó a Bolsonaro en el Consejo de Ética y Decoro Parlamentario, acusándolo de diseminar el prejuicio y estimular la violencia, al justificar la agresión y el asesinato de homosexuales en Brasil, demanda que quedó sin efecto.

Es más. Sintiéndose “inamovible”, desde la tribuna de la Cámara de Diputados el derechista atacaba a “los gobiernos de izquierda, comandados por terroristas”, a los que imputaba la “destrucción de la familia y de las buenas costumbres”.

La impunidad como estímulo

Mientras el Estado se esfuerza para proteger los DDHH, Bolsonaro reivindica las dictaduras.

En agosto de 2000, en la Cámara de Diputados en Brasilia se celebraba el fallo de la Corte Suprema chilena, despojando el ex dictador Pinochet de su inmunidad parlamentaria. Contrariado, Bolsonaro berreó que “Pinochet debería haber matado más gente”.

En 2012, cuando la presidenta Rousseff instituyó la Comisión de la Verdad, el milico perpetuum causa la provocó, vociferando que “el único error [de la dictadura] fue torturar y no matar”, aullidos que reverberaron por altavoz lo que en los cuarteles se tramaba en voz baja.

Sin embargo, el mismo diputado hace una aclaración. Su predilección por los fusilamientos de presos políticos y criminales comunes no significa que desprecie la tortura. Todo lo contrario: “el objetivo es hacer que el sujeto abra la boca. ¡Hay que reventar a los gallos para que comiencen a hablar!”, declaró en la misma época a la revista “Isto É”.

A cada iniciativa de los organismos de DDHH, el propagandista de la tortura y del asesinato respondió con vejación, injuria y ofensa. Para provocar a la agrupación “Tortura Nunca Mais”, que muchos años antes de la Comisión de la Verdad ya buscaba las osamentas de detenidos-desaparecidos, en la puerta de su oficina parlamentaria prendió un dibujo con un cuadrúpedo, que decía: “Quienes exhuman huesos enterrados son los perros”.

En los pasillos del Congreso se divirtieron con la infamante broma, nada más. Y ahora, ante el criminal insulto del ex militar a su colega María do Rosario, la presidenta Rousseff y su gobierno callaron otra vez.

En una nota publicada el 13 de diciembre en el diario “Folha de S. Paulo”, el columnista Ricardo Melo advertía que la “licencia“ del diputado para cometer crímenes execrables, como la defensa de la violación, no existe. "Las concesiones ante un pasado abominable cobran un alto precio en el presente y en el futuro. El diputado Bolsonaro ahí está para comprobarlo"... "Bolsonaro idolatra el abuso sexual, ofende colegas y, siempre que puede, hace poco caso de los derechos humanos. Un bandido. Sus herederos siguen por el mismo camino, clamando por una intervención militar. Un bello día, la historia pedirá permiso para repetirse”.

Durante dos meses – durante y después de las elecciones de octubre-noviembre de 2014 – Bolsonaro, su hijo y sus páginas en las redes sociales intentaron precipitar la Historia, convocando manifestaciones en São Paulo clamando por el impeachment de la presidenta recién electa y un golpe militar.

El colmo del ridículo fue su petición enviada por internet a la Casa Blanca en Washington, exigiendo una intervención americana en Brasil: la extrema-derecha tropical histérica, llamando a socorrerla a la caballería del General Custer, como ironizó el bloguero Sérgio Saraiva.

No tuvieron éxito, en Avenida Paulista no juntaron más que 5 mil individuos, y la Historia, astuta, no se dejó desviar de su curso democrático.

Violación: el arma de los vencedores

Al decir “yo no la violo porque Ud. no se lo merece”, el militar-parlamentario no sólo insultó de modo infamante a la diputada María do Rosario, sino que ofendió el foro íntimo de todo el género femenino sobre la faz de la tierra. En particular la memoria de millones de mujeres cruelmente violadas por ejércitos vencedores y torturadores al servicio de las tiranías, desde la remota Grecia hasta el oprobio de miles de mujeres yazidíes, secuestradas y abusadas por la milicia terrorista “Estado Islámico”.

Con su banalización e incitación al abuso sexual de mujeres, Bolsonaro reitera la continuidad de un acto arcaico hoy tipificado como crimen repulsivo: la posesión violenta de la mujer como “trofeo” de guerra.

En el Occidente, el arcaísmo repugnante tiene sus raíces en la Grecia antigua, en donde la violación de la mujer del enemigo era cláusula de reglamentos militares, considerada conducta socialmente correcta. Tal aberración prevaleció desde la Antigüedad y la Edad Media hasta el siglo XIX.

Y a pesar de ser tipificada como crimen de guerra, la violación masiva de mujeres por los ejércitos vencedores empapó de sangre femenina todo el siglo XX: 2 millones de mujeres alemanas abusadas por el Ejército Rojo de Stalin; 300 mil mujeres y niñas coreanas estupradas por las tropas invasoras japonesas; y según informes de la ONU, “entre 100 mil y 250 mil mujeres de Rwanda violadas durante el genocidio de 1994; 60 mil mujeres abusadas durante la guerra civil en Sierra Leona (1991-2002); más de 40 mil en Liberia (1989-2003); hasta unas 60 mil en la ex Yugoslavia (1992-1995) y al menos 200 mil en la República Democrática del Congo, desde 1998”.

La perversidad del “mérito” femenino

En esa estadística repulsiva se inscribe la violación de miles de mujeres detenidas por motivos políticos en los calabozos de las dictaduras latinoamericanas.

Al declarar el enfrentamiento de la oposición como “guerra interna”, la dictadura brasileña justificó el secuestro y abuso de decenas de mujeres jóvenes, de las que muchas se encontraban embarazadas. Los casos documentados por la Comisión de la Verdad de Brasil superan cualquier imaginario del terror: vejación de prisioneras desnudas, tortura en los órganos genitales, abuso de esposas delante de sus maridos torturados, violación de la vagina y del ano con palos, caños de armas, perros y serpientes, acto seguido abuso por los mismos torturadores. Centenas de sobrevivientes argentinas y chilenas tienen los mismos recuerdos.

La violación es el acto extremo del dominio masculino sobre la mujer y busca su aniquilación. El abuso despersonaliza y deshumaniza a la mujer, en algunos casos para el resto de sus días. Hay mujeres que no resistieron a la humillación extrema, suicidándose. Otras enfrentaron años de terapia para rescatar su alma quebrada, muchas aún vagan por noches de insomnio a más de 40 años del instante de su suplicio.

Y esta obscenidad degradante el parlamentario brasileño la define como “acto meritorio”, o sea, que las víctimas deberían “agradecer” por la violencia sexual sufrida, suposición ciertamente engendrada por la mente enfermiza de psicópatas.

Cada tres minutos, una violación; cada dos horas, un femicidio

La criminal banalización del abuso sexual por el parlamentario brasileño se reviste de ropaje dantesco cuando es proyectada sobre la pantalla de a vida cotidiana brasileña.

Según el 8º Anuario de Seguridad Pública brasileño, en 2013 fueron registrados en todo país 50.320 casos de violaciones, incluyendo hombres. Pero la documentación advierte una circunstancia que agrava todavía más a las estadísticas: "según investigaciones internacionales, apenas 35% de las víctimas relatan los crímenes a la policía, de modo que en 2013 pudiesen haber ocurrido 143 mil violaciones".

El abuso sexual y el femicidio en Brasil provocan el vértigo y buscan un autor capaz de narrar la dantesca carnicería: según ONU Mujer (2014), más de 92 mil mujeres fueron asesinadas en Brasil entre 1980 e 2010. 

Un operativo de guerra, una ciudad borrada del mapa empapada de sangre femenina. La masacre está en curso, 5 mil mujeres asesinadas anualmente, mujeres violadas, degolladas, hechas pedazos, una cada dos horas.

Expulsión de la vida parlamentaria y penalización criminal

Que un escenario como este vaya de la mano con la democracia distributivista es un espanto. Que sea posible se debe a las raíces culturales del machismo y a la vociferante impunidad: la ausencia del Derecho y del Estado, que excitan y reaniman a sujetos como el ex capitán, hoy parlamentario, a envalentonarse públicamente como violador.

Ela Wiecko, vice-procuradora-general de la República, en Brasilia, demandó al diputado por incitar públicamente a la práctica de crimen de violación. La denuncia (Inq 3932) fue formalizada el 15 de diciembre en la Corte Suprema brasileña (STF) y será analizada por el ministro Luiz Fux.

Decenas de otras demandas – de parlamentarios, agrupaciones de mujeres y DDHH – conmueven la sociedad brasileña indignada.

Habiendo quebrado no sólo el decoro parlamentario, sino ofendido también a miles de mujeres victimadas por la tortura y el irrespeto a su género femenino en escala planetaria, sería de esperar que los Parlamentos y Gobiernos latinoamericanos emitan una nota de repudio, observando que la presencia de Jair Bolsonaro en la vida política del más gran país de la región, y su elogio de la violación, son incompatibles con la construcción de la Paz, la Justicia y la Democracia en el continente latinoamericano.









21 dezembro 2014

Patricia Soley Beltrán - Vera Broïdo: la musa imprescindible




Una mañana de marzo del 1933, Vera Broïdo, modelo, musa, diseñadora de moda, pintora, cantante, poeta, testigo histórico, ser humano excepcional, desembarcó –mareada– en Eivissa, junto con el matrimonio Hausmann. El trío formado por Raoul Hausmann, artista polifacético y uno de los máximos exponentes del dadaísmo, su esposa Hedwig Mankiewitz y la joven Vera (veintiséis años), huía de la creciente represión nazi. El exilio político siempre formó parte de la vida de esta viajera, desde que a los siete años acompañó a su madre Eva Gordón, notable revolucionaria menchevique rusa, a su primer destierro en Siberia.

De hecho, la mayor parte de la accidentada infancia y juventud de Vera transcurrió huyendo con sus padres, primero de la policía secreta zarista y de la represión bolchevique después. Enamorados del paisaje isleño, de sus «casas que crecen» y de la dignidad de sus gentes, Vera y el matrimonio Hausmann habitaron en dos casas payesas: can Mestre (Benimusa) y Can Palerm (Sant Josep), a la que Vera describe como «una perla de la arquitectura cúbica ibicenca» (actualmente malograda, en parte). Al mediodía, el trío comía en can Llorenç, el bar del entonces alcalde del pueblo, de simpatías socialistas.

Raoul y Vera se habían conocido en los círculos artísticos del Berlín de los años 20 donde florecía la vida cultural en gran parte alimentada por los refugiados rusos. Años más tarde lo describió como un hombre bajo, robusto y presumido; no le pareció guapo ni le gustó su monóculo ni su ropa exagerada, aunque reconoció su carisma. Invitada por los Hausmann a veranear en una isla del Báltico, aceptó ingenuamente halagada sin sospechar que se vería precipitada a un ménage à trois con un hombre que la doblaba en edad. En palabras de su mujer, Raoul «necesitaba» a Vera aunque, en las memorias de esta última, escritas sesenta años más tarde (‘Daugther of the Revolution’, London, 1998), todavía se preguntaba si el artista la deseaba como musa, espectadora o contrincante. 

Fascinada por el artista «medio genio, medio loco», Vera se mantuvo fiel a los Hausmann durante siete años, hasta que la ruptura cristalizó en una Eivissa de una «belleza increíble», como «un pañuelo ribeteado de encaje negro volando sobre el mar azul oscuro».

La poética del cuerpo

Las musas, personajes míticos de la Antigüedad Clásica, son la personificación femenina de un concepto. La musa –vocablo de raíz indoeuropea que significa ‘pensar’, también presente en los términos ‘mente’, ‘museo’ y ‘memoria’– se concibió originalmente como la fuente mítica de conocimiento de la que bebían los poetas, encargados de la necesaria labor social de interrogar la realidad con su imaginación y dotarla de sentido con sus palabras, pero también de tender puentes a lo inefable.

Las declaraciones de Broïdo, recogidas en sus memorias y entrevistas, demuestran una vez más cómo el trabajo de una verdadera ‘musa’ terrena va mucho más allá que la de una mera presencia bella e inarticulada, pero misteriosamente ‘inspiradora’. Broïdo siempre hablaba en primera persona del plural sobre los proyectos «de Hausmann» en la isla, como por ejemplo, su investigación fotográfica sobre las casas payesas, las ruinas púnicas y la cultura local. De hecho, era Vera quien visitaba regularmente la biblioteca municipal de Vila para informar su común proyecto etnográfico, puesto que hablaba castellano y algunas palabras de ibicenco. 

«Adicta a la lectura» desde los cuatro años y buena conocedora de los clásicos rusos, Vera, poeta ingenua y valiente, en un intercambio de civiles en la frontera ruso-polaca y con sólo trece años, llegó a arriesgar la vida para salvar su obra poética y algunas fotos de familia. Sus padres le transmitieron una noción del mundo del conocimiento y de la universidad como la patria universal de la que deseaban formar parte.

Aunque en los años 20 la universidad parisina de la Sorbona la decepcionó, la Casa de los Poetas de San Petersburgo fue uno de sus hogares de adolescente donde alimentaba cuerpo y espíritu. Sin duda, Broïdo y Hausmann compartían una visión poética del mundo que la llevó a interesarse por sus poemas dadá: esos ataques literarios al lenguaje que trataban de hacer poesía desde el cuerpo, «en la boca» en lugar de en la mente.

Como decía Thoreau, lo corpóreo ha estado siempre presente en la poesía pues, las y los poetas «escriben la historia de su cuerpo». La poética del cuerpo y el espacio fue también un interés compartido por musa y poeta. Gran andarina, en sus memorias Vera nos relata la gran importancia que ciertos territorios y ciudades tuvieron para ella, hasta el punto de una suerte de enamoramiento espacial con Minusinsk (Siberia), San Petersburgo, Paris, Berlín, la catedral de Smolny y Eivissa, entre otros.

Amante de la vida en Siberia, donde el invierno es una larga noche de seis meses de duración introducido por un otoño y primavera en semioscuridad, no sorprende que Vera percibiera los luminosos paisajes mediterráneos como «pura magia» salida de un «cuento de hadas», pero «irreales» desde su perspectiva de «espectadora y extranjera». Para Vera, no se trataba pues de un paisaje para vivir, sino para soñar, actividad en la que puso un nada desdeñable empeño y que enriqueció la investigación dadá en pos de un estado de inconsciencia, huyendo de la represión efectuada por el lenguaje con el fin de hallar «un lenguaje nuevo para nuestra despertada consciencia cósmica» en el habitable mundo ibicenco.









La vivencia activa del cuerpo y el espacio de Vera, paseante internacional y gran aficionada a los bailes de la época como el charlestón, ofrece pues un interesante contrapunto a la nueva orientación en la danza de Raoul «prescrita por la organización del cuerpo», como él mismo explicó a su inteligente musa. En efecto, el artista vivía dicha exploración coreográfica como «una batalla entre el cuerpo y el espacio» en la que «el cuerpo preso en el espacio se libera». Su fruto: una danza «enormemente original y atractiva», en palabras de Vera, la espectadora, que reflejaba la búsqueda dadaísta de una sabiduría en movimiento, capturada entre lo estático y el constante devenir de la vida, sobre la que construir un nuevo yo.

En la década de los 30 ya se practicaba el nudismo en la isla, de un modo íntimo y compasivo, muy diferente al nudismo populista en boga en la Alemania de la época. Sin duda, la innovadora poética del desnudo en las fotografías de Hausmann es deudora de la excepcional vivencia corporal de Vera, una imponente pelirroja de magnética presencia, para quien el nudismo era «tan natural como la tierra y el cielo».

Así pues, Vera, la modelo, conectó rápidamente con Raoul puesto que, como ella misma relata, en su fotografía «los desnudos no eran diferentes de la arena, los guijarros o las plantas, lo que importaba era la textura y la forma, los objetos en el espacio y la luz», un revolucionario modo de ver inaugurado por Hausmann, «fotógrafo honesto», pionero de la fotografía moderna que amaba fotografiar desprevenidos a sus sujetos.

Espejo de perfección

La bella Vera, cuyo nombre significa en ruso «fe», fue nombrada por sus padres, ambos judíos agnósticos e idealistas revolucionarios rusos, en honor de dos legendarias revolucionarias: Vera Figner y Vera Zasulich. En consecuencia con el ideario revolucionario, heredero de los utópicos franceses, Vera creció en la igualdad entre mujeres y hombres, ideal progresista de la época también compartido por Hausmann (al menos en teoría), puesto que él escribió en contra del matrimonio burgués –entendido como una estructura patriarcal que legaliza la posesión del cuerpo de la mujer y de su más preciado producto: los hijos–, y a favor de la libre disposición del cuerpo de las mujeres y de las relaciones sexuales libres, tanto de cariz hetero como homosexual.

Vera, en libre disposición de su sexualidad, tuvo un affaire con el ibicenco Antoni Ribas, compañero de viajes del trío por la isla, para gran escarnio de Hausmann, quien públicamente siempre pretendió que Vera era su sobrina. Raoul, enloquecido por los celos, trató de matar al supuesto seductor con un cuchillo.

Este incisivo episodio resonaba con ecos de los propios mores de la isla: una masculinidad precaria, frágil, demasiado fácilmente humillada por la rivalidad de otro hombre en el cortejo, que arremete con violencia contra lo que percibe como una amenaza a su propia integridad. Integridad, hombría y honorabilidad, constituidas sobre la inestable base de la posesión del cuerpo ajeno: el femenino.

Así pues, desveladas sus contradicciones, emergió el carácter megalómano de Raoul enfrentado a Vera, la contrincante. Mucho camino quedaba para recorrer en la aspiración dadaísta hacia «la desintoxicación práctica del Yo»… Por cierto, prosiguió la amistad entre Vera y Antoni, pues ella le rescató de un campo de refugiados del sur de Francia al que, como uno de los cabecillas del Partido Comunista de la isla, fue a parar durante nuestra Guerra Civil.

La vida idílica de la isla actuó, una vez más, también para Vera, como un espejo de perfección en el que vio reflejado lo que ella misma calificaba de «imperfecto y erróneo» en su vida. Tras un año de estancia en nuestro paraíso mediterráneo, la joven decidió abandonar a Raoul y dejar atrás la Eivissa utópica que, junto con otras viajeras ilustres, contribuyó a forjar: ese espacio en el que seguir ensayando nuevos modos de relacionarse en los que algunas nos empeñamos en seguir creyendo contra recalcitrantes evidencias.

Quiero pensar que, tal como Raoul afirmaba («en el fondo las mujeres siempre permanecen intactas»), la fe de Vera consiguió salir ilesa de la isla, refugiada en la certeza de que si el poeta (dadaísta o no) es necesario, la musa imprescindible.



Dadaísta Raoul Hausmann com Hedwig Mankiewitz e Vera Broïdo 
em Ibiza, 1929. Foto inferior: Hedwig Mankiewitz e Vera Broïdo
deitadas na praia.

Fotos: Raoul Hausmann